Im Folgenden veröffentlichen wir einen Auszug der Taz vom Dienstag, den 13. Januar 2015 über den Hype um „Je suis Charlie“.

von Arno Frank

Bernard Holtrop ist 73 Jahre alt, Zeichner von Beruf und hat das Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo überlebt, weil er nicht vor Ort war. Die Mörder hatten am vergangenen Mittwochvormittag auch nach ihm gerufen. „Ich gehe nie auf Redaktionskonferenzen“, sagt er und wundert sich über den überwältigenden Zuspruch für sich und seine Zunft :“ Wir haben viele neue Freunde wie den Papst, Königin Elisabeth oder Putin.“

Sie alle und „wir“ auch, scheint es, „sind“ plötzlich „Charlie“. Seine emotionale Überwältigung angesichts der weltweiten Anteilnahme fasste Holtrop in treffende Worte :“
Wir kotzen im Strahl auf all diese Leute, die auf einmal unsere Freunde sein wollen .“ Auch in Deutschland wollten in der vergangenen Woche alle plötzlich „Charlie“ sein, von taz bis „Tagesschau“, von der Welt bis zur Westfalenpost, von der Linken bis zur NPD, vom Bandidos- Chapter Bamberg bis zur Pegida. Sieht so aus, als stünde der Satz „Je suis Charlie“ zur Stunde für ein ungewöhnlich breites gesellschaftliches Bündnis. Millionen auf den Straßen. Und ist nicht der Hashtag#jesuischarlie bis heute soundso oft getwittert worden? Ist er. Und es bedeutet exakt so viel, wie es kostet – gar nichts.„Je suis Charlie“ ist nicht als politisches Handeln zu verstehen oder zu übersetzen mit „ Ich teile solidarisch die Werte, für die diese Leute gestorben sind und würde es gegebenenfalls selbst tun.

Nein, „ Je suis Charlie“ bedeutet „Huch!“, „Oje!“ oder „Nee also so was!“. Es ist der Brummton der Betroffenheit.

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