Kommentar zu Geschichten des Totalitarismus / 7.9.2020 bis 5.10.2020 im Haus am Dom
Mit dem ideologischen Feldzug des Antikommunismus machte Hitler bürgerliche Kreise und
Grossindustrielle sowie Vertreter der Deutschen Bank zu seinen Sympathieträgern
– Ein Beitrag von Alexander Bußmann


Zu Jeder totalitären Ideologie gehört die Konstruktion eines Feindbildes und eines
Ausnahmezustands so wie es der Staatsrechtler Carl Schmitt in seinem Entwurf des totalen Staates
1924 vorsieht. Um die Autorität eines Staates zu stärken, müssten die Kräfte des Parlaments
geschwächt werden. Parlamentarische Kontrolle , parlamentarischer Diskurs behindere nur den
Aufbau eines starken Staates. Schmitt arbeitete bekanntlich mit der NS- Justiz zusammen.


In dem NS- Propagandafilm Hitlerjunge Quecks, der in unserer Veranstaltungsreihe „Geschichten des Totalitarismus“ in einer kommentierten Fassung ,als Demontage von Johannes Rhein, gezeigt wurde, dienen die Kommunisten als Projektionsfläche alles ( aus bürgerlicher Sicht) sogenannten
Verwerflichen: Gewaltbereitschaft, Alkoholismus, so wie die Juden als Untermensch charakterisiert,
um die eigene Klasse, im Film die Hitlerjugend, als tugendhaft, korrekt, verlässlich undsoweiter in den Himmel zu heben. Der Ausnahmezustand war in der Situation von 1933 nicht konstruiert, er war in Form hoher Arbeitslosigkeit und hoher Inflation Anfang der 30- er Jahre ganz real.


Hitlerjunge Quecks verfolgte auf der propagandistischen Ebene mehrere Ziele und war damit
erfolgreich : Zum einen baute er für die Nazigesellschaft die Kommunisten als Feindbild auf, das der Gesellschaft , vor allem der Jugend kein Vorbild sein kann, worüber sich insgeheim die Bürgerlichen und die Kreise des Kapitals freuten, weil Hitler ihnen die Dreckarbeit der ideologischen Kriegsführung gegen die ihnen verhassten Kommunisten abnahm, zum anderen verfolgte der Film das Ziel, arbeitslosgewordene Arbeiter, die bis dato die Kommunisten gewählt hatten, für die NSDAP zu gewinnen.

Als Schlusspointe sei angemerkt, dass ein Jahr vor Beginn des NS- Terrorsystems, 1932, sich Hitler in Düsseldorf mit Grossindustriellen und Vertretern der Deutschen Bank traf. Er brauchte Kredite für den totalen Krieg und er bekam sie und die Grossindustriellen rieben sich die Hände, weil nach einer auftragsarmen Zeit jetzt wieder fette Aufträge in Aussicht standen.

Menü