Lulu auf der Flucht

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Lulu auf der Flucht

22. November 2018 @ 20:00 - 22:00

€3 - €5

Lulu auf der Flucht ( Frankfurt am Main 2009 )

Ein Film von Alexander Bußmann ( mit anschließendem Publikumsgespräch)

Nach Motiven von Frank Wedekinds „ Die Büchse der Pandora“

Mit einer Einführung von Ruwen Krieger

Tatjana Lerchbaumer als Lulu, copywright: Sabine Lippert

 

Der Film spielt in einem von Lulu eingerichteten

Salon. Der Salon hat Bordellcharakter und kann sich

in jeder größeren Stadt befinden, die sich als Weltstadt

bezeichnen würde. Obwohl der Lulu- Stoff sich in den 20-er

Jahren abspielt, ereignet sich auch heute noch Missbrauch

der Frau durch den Mann, aber auch Missbrauch des Manns

durch die Frau, wobei man den Missbrauch nicht ausschließlich

auf den sexuellen Missbrauch reduzieren sollte.

Termin 22.11.2018

Location Mal Seh’n Kino, ( Kl. Saal) Adlerflychtstrasse 6, 60318 Frankfurt am Main  www.malsehnkino.de

Beginn   19.00 -19.45 Uhr mit anschließendem Publikumsgespräch

Eintritt   5€ (3€ ermässigt)

Kartenbestellung  info@artes-forum.org / 0172-6608163

Regie Alexander Bußmann

Drehbuch Alexander Bußmann / Cia Torun

Kamera Dirk Wenzel

Mit  Dagmar Hirsekorn, Mike Kess, Agnieszka Kleemann, Torsten Kleemann, Ricarda Klingelhöfer, Tatjana Lerchbaumer, Johann Christian Maier, Dirk Mühlbach, Robert Naumann, Macha Stein, Ulrich Rügner, Claudio Vilardo

Beiträge zum Film Lulu auf der Flucht

Hintergrundinfos

Ausgangsmaterial für den Film ist Frank Wedekinds Theaterstück Lulu, bestehend aus zwei Teilen ( „ Erdgeist“, 1892-94 und „Die Büchse der Pandora“, 1892-1901).

 

Teil 1: „Erdgeist“ : Lulu wird bereits als junges Mädchen von Schigolch ( womöglich ihr Vater?) missbraucht. Ein Grund, warum ihr Lebensweg mit Männeraffären gepflastert ist. Der einflussreiche Chefredakteur Dr. Schön, der ein Auge auf Lulu geworfen hat aber sich scheut sie zu heiraten, weil Lulu’s freizügiges Liebesleben seinem guten Ruf schaden könnte, will aus ihr einen anständigen Menschen machen: u.a. muss Lulu die Schulbank drücken und eine Ballettschule absolvieren. Doch der an Lulu verübte Dressurakt misslingt. Sie erzwingt mit den Mitteln der Intrige von Dr. Schön die Verheiratung und frisch vermählt treibt sie es mit diversen Männern u.a. mit Dr. Schöns Sohn. Schön Senior legt Lulu nahe sich zu erschießen, sie erschießt daraufhin den einzigen Mann, den sie liebte, allerdings in Notwehr.

Cia Torun als Lulu, copywright : Sabine Lippert

Teil 2 : „Die Büchse der Pandora“ : Lulu landet im Gefängnis.. Es gelingt ihr mit der ihr hörigen Gräfin Geschwitz auszubrechen und nach Paris zu fliehn. Dort richtet Lulu sich als Gräfin Adelaide d‘ Oubra einen Luxussalon ein, der Bordellcharakter aufweist.

Der Film spielt in dem von Lulu eingerichteten Salon.

Über die Figur Lulu und die neue Rolle der Frau am Ende des 19. Jhd.

Jahrhundertelang lebte die Frau in der Abhängigkeit des Mannes, war seine willige Dienerin, die ihre eigenen Bedürfnisse unterdrücken musste. Ihre Aufgabe war die Produktion von Kindern und die Besorgung des Haushalts. Am Ende des 19.ten Jhd. befreit sich die Frau allmählich aus dem Gefängnis Ehe. Ein neues Selbstbewusstsein gegenüber dem Mann wächst heran. Frau bricht Tabus, lässt sich scheiden und/ oder fängt Affären mit Männern an. Das neue Selbstbewusstsein der Frau, die Lust sich nicht nur einem Mann hinzugeben, macht sich auch in den Künsten breit: Flaubert zeigt z.B. in dem Roman Madamme Bovary eine Frau, die wegen ihrer Ehe an Depressionen leidet, sich scheidet und Affären mit anderen Männern eingeht. In dem Stummfilm „Erdgeist“ mit Asta Nielsen in der Rolle der Lulu ( Regie: Leopold Jessner 1923 ), zieht Asta Nielsen als Lulu mit ihrer verführerischen Aura die Männer in ihren Bann.

Robert Naumann, Tatjana Lerchbaumer, copywright . Sabine Lippert

Die Figur der Lulu symbolisiert das neue Selbstbewusstsein der Frau zu Beginn des 20-ten Jhd. Sie entlarvt die Doppelmoral der bürgerlichen Ehe : man darf sich eine

Nebenfrau leisten ( immer wieder in den oberen Gesellschaftsschichten zu beobachten), frau muss ewige Treue schwören.

Im Prolog von Lulu heisst es : „ Sie ward geschaffen, Unheil anzustiften, zu locken,

zu verführen, zu vergiften…“ Wedekind reproduziert hier den Adam und Eva- Mythos: Die Frau, die die göttlichen Gebote missachtet, den Mann verführt und damit Unheil in der ( Männer) Welt verbreitet. Ich bin kein Feminist, auch kein Schwarzer- Fan, aber der Adam und Eva- Mythos scheint mir eine Kopfgeburt des Manns, die für das sogenannte schwache Geschlecht schreckliche Folgen hatte ( siehe die Hexenverbrennungen im Mittelalter !). Da ich als Künstler die Aufgabe habe, bestimmte Mythen der Menschheit zu de-konstruieren, weil manche Mythen dazu dienen, Herrschaftsverhältnisse und Geschlechterhierarchien zu etablieren, erlaube ich mir eine vielleicht bisher nicht so bekannte Lesart des Lulu- Stoffs : Für mich ist Lulu nicht die Schlange, nicht die Verkörperung des Bösen,  sie wendet nur die Strategien an, die sie von den Männern gelernt hat : Intrigen- Selbstverleugnung – Verleugnung des Anderen usw. Warum sollte sie besser sein als die Männer in einem patriarchalen System, das immer in verschiedenen Abstufungen die Ausbeutung des anderen Geschlechts beinhaltet.

In diesem Licht betrachtet ist es sehr schade, dass Wedekind Lulu so blutig enden lässt.( Der Serienfrauenmörder Jack The Ripper schneidet ihr bekanntlich die Kehle durch. ) Das Ende finde ich von Wedekind nicht konsequent : Erst lässt er Lulu gegen die Normen der bürgerlichen Gesellschaft verstoßen, dann lässt er sie als Opfer sterben. Damit kann sich die Aussage verknüpfen :“ Hättest du dich doch an die Regeln gehalten, dann hättest du nicht so enden müssen“. Indem Wedekind Lulu als Opfer enden lässt, macht er ihre Geschichte, die eine Geschichte des Aufbegehrens  ist, sinnlos.

Die gerade dargestellte Lesart ist nur eine von vielen anderen Lesarten und lädt dich als Leser( in) dazu ein, eigene Positionen zum Thema zu formulieren.

Alexander Bußmann ( Vorstandsvorsitzender vom Kunstforum artes e.V. )

Details

Datum:
22. November 2018
Zeit:
20:00 - 22:00
Eintritt:
€3 - €5
Veranstaltungskategorie:

Veranstaltungsort

Mal seh’n Kino
Adlerflychtstrasse 6
Frankfurt am Main, Hessen 60318 Deutschland
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Website:
www.malsehnkino.de

Veranstalter

Artes e.V.
E-Mail:
info@artes-forum.org
Website:
www.artes-forum.org
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