Fragen an Bert Bresgen zur Eröffnung der Frankfurt Botschaft

 Was wurde mitgeteilt?

Unser Anspruch war vermessen genug: das unbewusste Frankfurt, das „Unsichtbare Frankfurt“ zu vermessen. Unsichtbar nicht zuerst in einem sozialen Sinn (mit Blick auf die Performancenotorischen „Anderen“), sondern im Sinne eines blinden Flecks. Der blinde Fleck betrifft die Macht. So wie eine der Botschaftsangehörigen sich immer wieder selbst während des Abstempelns die berühmte Arie aus Verdis „Macbeth“ auf Deutsch vorspielt: „Dieser Flecken kommt immer wieder.“ Wir teilten FFM in zwei Bereiche: den der strengen Institution und den der irrlichtenden Subjekte, „der Frankfurter“. Das war eine offenkundig idiotische Trennung: die Institution unterlief sich selbst durch verblüffende Akte der Willkür. Der/die Frankfurter_in wiederum folgte einer selbstverordneten Disziplin, auch wenn diese je nach Klasse, Libido, Beschäftigungsgrad, Alter, Geschlecht, Glück, Unglück, Geld und Geschmack sehr verschieden war. “The rule of the game is…“ verkünden die Tänzer_innen. Inmitten dessen: der FFM-typische Kult der Teilhabe. Die Botschaft funktioniert hier wie bei einem siamesischen Zwillingspaar von Wasserträger_innen: als Institution und als „Botschaft“. Und auch die Botschaft der Botschaft ist ein Double-Bind, eine Bindung an sich widersprechende Aussagen/ Gefühle.  Sie ist nie nur repressiv, sie ist auch verführerisch. Sie verführt vor allem sich selbst.

Was haben wir über die Stadt erfahren?

Als wir an die Stadt den vermessenen Antrag stellten, die Performance im Keller der Paulskirche zu machen, bekamen wir nach einigen Wochen folgende Antwort:

„Vielen Dank für die übermittelten Informationen. Da ich erst seit heute wieder im Dienst bin, bitte ich die verspätete Antwort zu entschuldigen. Die von Ihnen an uns herangetragene Bitte, im Rahmen des Projektes Sommertour 2016, die Paulskirche nutzen zu dürfen, haben wir zwischenzeitlich intensiv geprüft. Die Paulskirche gilt innerhalb und auch außerhalb Deutschlands als das Symbol des demokratischen Willens der Deutschen und ist damit zu einer der bedeutendsten politischen Gedenkstätten der Bundesrepublik Deutschland geworden. In Anerkennung dieser Tatsache kann die Paulskirche als Nationaldenkmal nur nach einem entsprechenden Magistratsbeschluss für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden, die diesem Grundcharakter Rechnung tragen. Maßstab sind die Verleihung des Goethepreises, die Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels oder die Verleihung des Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preises.Bei der von Ihnen geplanten Performance „Frankfurter Botschaft“sehen wir bedauerlicherweise keine Möglichkeit, den erforderlichen Vergabebeschluss des Magistrats herbeizuführen. Wir bedauern, Ihnen keine günstigere Nachricht geben zu können und wünschen Ihrem Projekt viel Erfolg.“

Bei der Vermietung des Frankfurter Römerkellers hingegen zeigte die Stadt sich aufgeschlossen und wäre uns bei Beachtung der umfangreichen Sicherheitsvorschriften im Vergleich zu den ansonsten dort stattfindenden Junggesellenabschiedsfeierlichkeiten auch preislich entgegengekommen. Schließlich machten wir die Performance aber doch in der Weihehalle der Unitarier.

Was hat uns überrascht?

Verblüffend war, welches Interesse die Leute daran hatten, „Pässe“ der Frankfurter Botschaft zu bekommen, die keinerlei realen Wert haben. Im ersten Teil der Performance haben wir sie nach langwierigen Prozeduren an die Leute ausgegeben. Als wir diesen Teil abbrachen, hatten wir Mühe, die Leute „aus der Botschaft“ zu kriegen. Sie wollten „ihren Pass“, auf den sie sich ein Anrecht erworben hatten.  Ansonsten bewegten sich aber alle völlig souverän als Volkssouverän durch den Parcours. Überrascht hat uns auch, welche ANTWORTEN die Leute („Frankfurter“) auf unsere absurden Fragebögen gaben. Sie waren oft poetisch.

Was ist schiefgegangen?

Wir folgten im Zeitfenster den Geräuschen der Tonspur, die aber folgten nicht immer uns. Leute wurden in Zimmern vergessen, man schrie sich an, die verabredete Ordnung der Szenen fand nicht statt. Ansonsten war alles bestens.  „Wahnsinn ist gesund“ wie – glauben wir-  die Beatles gesagt haben.

Gab es eine absurde Bemerkung/Handlung eines Teilnehmenden

Die erste Passempfängerin hat mich geküsst.

Fünf Schlagwörter, die die Aktion umschreiben

Drei: Ebbes ist ebbes!

Vier: Ebbes ist immer ewig!

Fünf: Nieder mit der Frankfurter Botschaft!

 

 

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