Sparring with an alt-righter

Ausgangslage:

Die Präsenz der neuen Rechten in europäischen Parlamenten und sozialen Medien kann weder geleugnet noch ignoriert werden. Ihre Gegner, ob sie nun aus dem linken oder dem bürgerlich-liberalen politischen Lager kommen, stellt dies vor die Frage, wie damit umzugehen sei.

Im gesellschaftlichen Diskurs sind zwei gegensätzliche Antworten präsent:

Die erste lautet, dass man die (vermeintlich?) hinter dem Rechtstrend stehenden Sorgen und Nöte der sogenannten „einfachen Bürger“ ernstnehmen und die Rechtsradikalen mit Hilfe sachlicher Argumentationen auf Diskursebene schlagen müsse, was es unweigerlich erfordert, sich auf den Diskurs mit den Rechtsradikalen einzulassen.
Die zweite Antwort ist die der radikalen Bekämpfung, die den Rechten keine Bühne geben will und sich jeglicher Diskussion mit diesen verweigert.

Beide Strategien im Kampf gegen den rechten Aufmarsch erweisen sich jedoch als unzureichend, da die Rechten es verstehen, diese Strategien zu ihrem Vorteil zu nutzen und gewissermaßen in ihr Gegenteil zu verkehren.

Tatsächlich nutzen die Rechtsradikalen bereitwillig jede Bühne die sich ihnen bietet. Dabei ist ein ehrliches Interesse an einem offenen Diskurs auf der rechten Seite oftmals gar nicht vorhanden. Die von ihnen gerne vollmundig eingeforderte „Meinungsfreiheit“ ist ein Vehikel, dessen sich die rechten Kräfte beizeiten entledigen werden, wenn sie erst einmal Diskurshoheit erlangt haben.

Auf der anderen Seite verstehen es die Rechten aber hervorragend, sich in einer Opferrolle zu inszenieren, wenn sie ausgeschlossen werden und sich gleichzeitig als „Verkünder einer unterdrückten Wahrheit“ interessant zu machen. Von reflexhaften moralischen Verurteilungen ihrer Statements profitieren sie.

Einem wirksamen Kampf gegen Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus muss also das Kunststück gelingen, adäquat auf Provokationen zu reagieren, ohne sich dabei provozieren zu lassen und die Rechten auf Diskursebene zu schlagen, ohne ihnen dabei eine noch größere Bühne zu geben.

Sparring with an alt-righter/ Gegenstrategien praktisch erproben

Die Veranstaltungsreihe „Sparring with an alt-righter“ setzt sich mit der Frage auseinander, wie das vorgenannte Kunststück gelingen kann und möchte dies für das Publikum selbst erfahrbar machen. Hierzu werden bewusst rechtsradikale Thesen auf die Bühne gestellt. Dies geschieht jedoch  in einem Umfeld, welches dafür sorgt, dass eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Thesen stattfindet.

Der Performer und Autor Florian Klaede wird in die Rolle eines Rechtsradikalen schlüpfen, der vermeintlich versucht, das Publikum von seinem Gedankengut zu überzeugen.
Dem Publikum werden immer wieder Momente eingeräumt, in denen es die vorgetragene rechtsradikale Propaganda kritisch bearbeiten und letztlich dekonstruieren kann.

Die Leitidee der Veranstaltung ist hierbei das Sparring, wie man es aus den Kampfsportarten kennt. Der Begriff des Sparring stammt vom englischen to spar , was wörtlich übersetzt so viel  bedeutet wie „sich mit jemandem auseinandersetzen“. Der Unterschied zwischen dem Sparring und dem richtigen Kampf ist jedoch, dass es beim Sparring nicht darum geht, einen Sieger zu ermitteln, sondern vielmehr die eigenen Fähigkeiten zu schulen.
Das Gegenüber im Sparring ist somit weniger ein Gegner, als ein Partner, der den Gegner mimt und somit hilft, die eigenen Stärken und Schwächen in einer Trainingssituation zu erkennen.

Zum Autor und Performer:

Florian Klaede, Jahrgang 1980, hat Sozialversicherungsmanagement und Public Administration studiert und beschäftigt sich seit Jahren mit gesellschaftspolitischen Themen.
Er ist Autor zahlreicher Blogbeiträge unter verschiedenen Pseudonymen und verfügt über langjährige Bühnenerfahrung in den Bereichen Rap, Poetry-Slam und Lecture-Performance.

Im artes e.V.- Forum für Kunst und Kunstausbildung- ist er im Vorstand als Schriftführer tätig.

Vorbereitungsveranstaltungen:

In Vorbereitung auf die Performance werden im Rahmen von Themenabenden des Artes e.V. eine oder mehrere Vorträge zu den Themenkomplexen Populismus und Neue Rechte stattfinden.

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