Noch einmal, kurz vor seinem Tod, hatte er sich zum Mittelpunkt seiner schon Jahrzehnte vorher von ihm selbst und seinen Freunden gezeugten Legende gemacht : Er war, ausgestattet mit einem geladenen Revolver, in höchster Erregung in das Juweliergeschäft Köchert auf dem Neuen Markt eingetreten, das einmal sein Elternhaus gewesen war und hatte, noch unter der Tür, wie berichtet wird, seinem hinter den Schmuckvitrinen stehenden Vetter Gottfried, dem damaligen wie auch heutigen Besitzer des Geschäfts, mit dem sofortigen Erschiessen gedroht, sollte der sich weigern, eine bestimmte Perle herauszugeben. Der erschrockene Vetter Gottfried meines Freundes Paul soll, wie berichtet wird, in Todesangst die Hände gehoben haben, worauf mein Freund zu ihm gesagt haben soll : Die Perle aus deiner Krone ! Alles war nur ein Spass gewesen. Es sollte Pauls letzter gewesen sein. Der Juwelier und Vetter hatten den Spass nicht verstanden, andererseits aber sofort erkannt, dass sein Vetter, auf einmal wieder unzurechnungsfähig geworden , in eine Anstalt gehöre…

aus: Wittgensteins Neffe von Thomas Bernhard, Suhrkamp

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