Hier ein szenischer Ausschnitt aus der Polit- Satire  „Neues aus der Frankfurter Botschaft“

Premiere am 8.6.2018 in der Klosterpresse Frankfurt/Main | Mit Alexander Bußmann, Brigitte Schroth, Thilo Schwarmann | RUBRIK  Theater /Performance/ polit. Kabarett

Wir befinden uns in einem Büro. Es könnte eine städtische Behörde sein. Im Hintergrund ist eine Uhr sichtbar, die keinen Zeiger mehr hat. Zwei Bürotische, die sich gegenüberstehn. Die Mitarbeiter der Behörde, Herr Fischer und Herr La Fontaine sitzen sich gegenüber. Die Behörde soll eine Anlaufstelle für Bürger sein, wo Bürger ihre Beschwerden, aber auch Anregungen, Ideen zur Stadt , ja zur Stadtgesellschaft von Frankfurt vortragen können.

Herr Fi.  zu Herrn La.  : Bitte !

Herr La : Bitte !  etwas eindringlicher

Herr Fi: Bitte !  noch eindringlicher  Es klopft noch mal.

Herr La : Ja!  Bitte !  beinah verzweifelt

Herr Fi : Einer muss es ja machen.  Herr Fi. Geht zur Tür und öffnet die Tür

B. Guten Tag! Meine ID ist fuck68 – Rainbow

Herr La  fuck68 Rainbow ! na dann Prost-Mahlzeit..

B. : Ich bin wohnhaft im Europaviertel.

Mein besonderes Kennzeichen : Ich bin eine waschechte Frankfurterin, eine Rarität in meinem Viertel wo man so hört, dass hier nur Chinesen, Araber, Franzosen, Deutsche, und andere Kulturen leben, aber ein Frankfurter oder Frankfurterin ist mir hier noch nicht begegnet, die scheinen auszusterben.

Herr Fi. Fuer das persoenliche Gespraech berechnen wir € 50

B: zieht ihre Kreditkarte

Herr Fi. : Bedauerlicherweise nehmen wir nur Bargeld

B. reicht wiederwillig das Geld

Herr Fi  Was ist ihr Anliegen ?

B: Ich habe ein Problem mit der Mauer.

Herr La. Ein Mauerproblem ?

B. Genau ! Die Mauer war für mich die Voraussetzung, dass ich hier ein Appartment gekauft habe, die Mauer, die mich gegen Süden schützt, auf Frankfurterisch: gege Kamerun. Jetzt denken Sie nicht, dass ich gegen Schwarze was hätt’, ich bin für Vielfalt.

Herr La. Kamerun! Das ist kolonialistisch- rassistische Terminologie aus den 80-ern.

B Wie bitte ?

Herr Fi Entschuldigen Sie, mein Kollege verwechselt Kundenservice mit politischer Aufklärung. Es geht uns hier immer um den Kunden ..und die Kundin! Warum ist ihnen die Mauer so wichtig ?

B: Na als Lärmschutz, als Sichtschutz, als zementiertes Symbol einer Ruhezone und nach einem arbeitsintensivem Tag braucht man seine Ruhezone!

Herr Fi.   Darf ich fragen, welcher Tätigkeit Sie nachgehn?!

B. nichts Besonderes! Ich bin bei einer Bank! Den Namen der Bank darf ich nicht sagen aus     Diskretionsgründen !

Herr La.  blickt auf die Uhr  was ist ihr Problem? Fassen Sie sich kurz! In 2 Min. haben wir Mittagspause!  B. blickt auf die Uhr

B.  Die Uhr hat keinen Zeiger.

Herr La  Der ist bestellt, wird dann montiert und angepasst, natürlich systemgerecht. Fahren Sie fort !

B.  Na ich hoffe, dass alles hier mit rechten Dingen zugeht und Sie mit ihrem System recht haben.

Herr La.    soweit möglich, ist hier alles rechtens, aber Sie wissen ja, jedes System hat so seine Fehler. Ihr Anliegen noch mal, bevor ichs vergessen tu.

B    Als ich aus meinem Urlaub aus Grönland zurückkam- Eine Attraktion waren übrigens die Eisbären, so was von putzig, alle Welt redet davon, dass die aussterben, aber die waren quick- lebendig –Es muss übrigens nicht immer der Süden sein, 2 mal im Jahr Urlaub im Süden, zweimal im Norden.

Herr Fi.  Ganz meiner Meinung, dass zeigt einfach Ihre Ausgewogenheit

B.   Danke sehr ! Als ich zurück nach Europa

Herr Fi.  Sie meinen ins Europaviertel

B.   genau, ins  Europaviertel kam, war die Mauer weg.

Einfach weg. Ohne Vorwarnung ! Es war ein Abend, drückend-schwül wie im Gewächshaus, die Sonne ging grade unter, Ein bärtiger Turban brachte mich mit dem Taxi bis vor die Haustür direkt  gegenüber dem Hotel Oasis… Ich habe nichts gegen Muslims aber ohne ein Wort des  Abschieds stellte er meinen Trolli auf die Strasse, Ein Gruss hätte ja gereicht, auch auf  Orientalisch. Wir leben doch in einer Welt der Vielfalt…….na ja, ich hatte dann das dringende und auch  drängende Bedürfnis mit meiner Mutter zu telefonieren, aber der Aku war leer, Für einen Moment fühlte ich mich verlassen und allein..

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